Mannheimer Morgen
13. April 2007

Bei allen Jubelmeldungen über die Strahlkraft der Mannheimer Rockszene werden sie leider oft übersehen: Alias Eye, die Progressiv-Rocker aus der Quadratestadt, zählen in ihrem Genre zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Einladungskonzerte, die sie bis in die USA führten, Tourneen mit Gruppen wie Saga und eine über ganz Europa verteilte Fangemeinde - das sind Fakten, die für sich sprechen.

Nach längerer Pause meldet sich die Band um den charismatischen Sänger Phillip Griffiths mit einem beeindruckendem Album zurück. "In Focus", ihre dritte CD, präsentiert die Band mit einem neuen Mann an der Gitarre, der auch für einen Stilwandel gesorgt hat: Matthias Wurm bringt harte Rock-Riffs und brachiale Metal-Sounds ins Spiel, aber auch flinkfingrig-furiose Griffbrett-Sprints.

Nun war Alias Eye nie eine Band, die blutleere, verkopfte Kunstmusik gemacht hat (sie verstand es immer schon, komplexe Kompositionsstrukturen rockig zu erden), aber so komprimiert und songorientiert hat das Quintett bislang noch nicht geklungen. Dass die CD mit einem witzigen Blues als Bonustrack endet, ist symptomatisch.

Aber natürlich sind Griffths, Vytas Lemke (Keyboards), Frank Fischer (Bass) und Ludwig Benedek (Schlagzeug) ihrem Ruf insofern gerecht geblieben, dass sie ihre Stücke, auch wenn sie überraschend oft im Vierviertel-Takt rocken, mit verspielter Detailfreude und einer verschwenderischen Ideenfülle anreichern. Ständig wechseln da, quasi im Sekundentakt, Stimmungen und Tempi, sorgen Breaks und Rhythmusvariationen für spannungsvolle Dramatik.

Wuchtige Gitarren-Hiebe und grazil dahintänzelnde Schlagzeugfiguren, donnernde Daumen-Attacken des Bassisten und elegische Schwelgereien am Klavier, bluesartige E-Piano-Soli und filigran verschnörkelte Fusion-Improvisationen - all dies markiert Eckpunkte eines kunterbunten Klang-Kosmos, in dessen Mittelpunkt der klassisch geschulte Gesang von Phillip Griffiths steht, der seine Vokallinien gelegentlich mit opernhaftem Pathos aufheizt. Expressivität durch Kultiviertheit - das könnte das Motto für die Musik dieser außergewöhnlichen Band sein.

gespi

Crossover

Mit über drei Jahren haben alias eye eine (zu) lange Pause eingelegt, doch jetzt haben wir sie wieder: Die Mannheimer Band legte um den Jahreswechsel ihre 3. CD vor. Warum es so lange dauerte, wurde beim Konzert nicht nur mit Kinderkriegen und Häuslebauen begründet, sondern auch damit, dass Drummer Ludwig Benedek jeden musikalischen Vorschlag der anderen gleich abbügelte mit "Gibt's schon, hatten wa schon bei anderes Bands"! Schließlich ist es der Band doch gelungen, elf wiederum hervorragende anspruchsvolle Kompositionen abzuliefern, die einmal mehr ihren Status als Ausnahmeband belegen. Hier gibt's kein Mittelmaß, alles ist durchdacht, ausgeklügelt und natürlich erneut mit dem Wohlfühl-Flair ausgestattet, das auch die letzte Platte "A Different Point Of You" auszeichnete. Die Band, die jetzt einen neuen Gitarristen in ihren Reihen hat (Matthias Wurm ersetzt Matthias Richter) ist diesmal, wenn man es denn zusammenfassend so sagen darf, vielleicht etwas basischer, um nicht zu sagen rockiger, vorgegangen, was man ggf. schon daran sieht, dass es diesmal gar keine Songs über 5 Minuten gibt, was vor 3 Jahren eher die Regel war. "I'm Your Lie" fängt richtig kernig an, um dann zwischenzeitlich völlig sanfte Passagen zu bieten, dieses Wechselspiel ist sehr beeindruckend, die angenehme Stimme von Philip Griffiths beherrscht beides souverän. In dem Stück wirkt übrigens der alte Gitarrist noch nach, da er das Stück mitkomponiert hat. Der "neue" Matthias, der bei mir (man muss es wohl so sagen) einen schweren Stand hat, da für mich der "alte" Matthias der beste und vor allem verkannteste Gitarrist im Rhein-Neckar-Raum ist, trumpft gleich im zweiten Stück richtig fett auf an der Klampfe und überzeugt gleich mal einen Skeptiker wie mich. Ein Stück mit "Ringe-Ding-Dong"-Gesängen zu beginnen, ist schon äußerst außergewöhnlich, aber DAS VERGISST MAN NICHT! So etwas bleibt haften, so dass beim Konzert, in dem die Platte erstmals live vorgestellt wurde, gar ein "Ringe-Ding-Dong"-Zwischenruf erschallte. Der Song dazu, "The Call" ist ein heavy Kracher, an dem die Band mal richtig mit Metal-Riffs zulegt, aber natürlich wieder mit interessantem unerwartetem spartanisch instrumentiertem Zwischenteil und einem kleinen Flamenco-Flageolett-Ende, super! "Enlighten Them" mit dem etatmäßigen Keyboarder Vytas Lemke hier am Akkordeon bietet wieder diese andere Klangfarbe, die ALIAS EYE auszeichnet, dieses genreübergreifende Element, das sie völlig von anderen Bands abhebt. Auch das sehr bedächtige "Books" ist eine (diesmal alleinige) Lemke-Komposition, nur mit Piano und Gesang, und erzählt davon, dass all die Bücher, die er gelesen hat, ihn letztendlich "deaf and blind" machen und dieses Kleinod ist einfach hervorragend. ("The more I read, the less I know" - man bedenke, der Mann ist Lehrer!) Die ganze Band kehrt zurück zu dem mit einem leicht abgehackt klingenden Riffing versehenen "History Lesson", auch wieder ein gutes Stück, aber die Band kann eh keine schlechten schreiben! (Bzw. die wurden vorher aussortiert - s.o.!) Ebenso wie "Rhodesian Rhapsody", in dem Philip das Digderidoo erklingen lässt, und zwar eben nicht solo mit minutenlangem Gewaber, wie das sonst mit diesem Instrument geschieht, sondern im Song eingebaut und als Outro. "Hold On" ist ein weiteres Stück, das so wunderschön ist, dass man schon ein grober Klotz sein muss, um hier nicht zu attestieren, dass das ganz große Kunst ist, was die Band vorlegt. Wenn die Jungs nicht so verwurzelt in Mannheim wären mit ihren Berufen und Musik nach wie vor aus Freude und als zeitintensives Hobby machen würden und nicht auf Biegen und Brechen auf Erfolg angewiesen sind, wundert es mich schon lange, dass solch ein Ausnahme-Sänger wie Philip nicht längst von einer namhaften Kombo "abgeworben" wurde. Bei "To Be Or Not To Be... Revisited" sei einmal die kompositorische Klasse auch bei den Texten gelobt, es hilft schon, wenn man einen Native-Speaker in der Band hat. Die letzten beiden Stücke bieten neben einer kleinen Jam-Session-Einlage zwischen Gitarre und Keyboard und einem Gast-Auftritt von Sängerin Anna-Sabrina (zugegeben, ich war schon etwas abgelenkt, nicht nur von der Stimme - als sie die Bühne betrat, waren die 5 Herren für ein paar Augenblicke Nebensache ...!) noch einen weiteren versteckten lustigen Bonus-Song. Auf den stößt man erst, wenn man den letzten Song 6 Minuten weiterlaufen lässt, was auch mein einziger Kritikpunkt an der CD ist. Anfänglich stufte ich die CD nicht so hoch wie den Vorgänger ein, nach mindestens 10 Durchläufen ist auch "In Focus" ein kleines Meisterwerk geworden, anders aber nicht minder begeisternd. Gitarrist Matthias Wurm, der im übrigen maßgeblich an den Aufnahmen beteiligt war (kein Wunder, fanden die Aufnahmen doch in seinem Studio statt) fügt sich hervorragend in die Band ein und hat auch mich überzeugt: Danke, Jungs! - Ja, ich bin stolz, dass die weiterhin beste Band in und um Mannheim nach wie vor ALIAS EYE ist!

 

Walls of Fire

Nach dem überzeugenden Vorgänger “A Different Point Of View” hatten Alias Eye beim Komponieren des neuen Albums gar nicht mal so leicht, schließlich galt e seines der absolute Prog-Highlights des Jahrgangs 2003 zu übertreffen. Dementsprechend lange hat die band auch gebraucht, um ihr insgesamt schon drittes Album einzuspielen, welches nun kurz nach dem Jahreswechsel endlich auf den Markt kommen wird.

Die Wartezeit hat sich indes vollkommen gelohnt, denn wie „In Focus“ einem gleich elfmal sehr deutlich beweist, hat die Band während dieser Zeit eine echt respektable Entwicklung durchgemacht. Die neue Scheibe klingt zunächst einmal nicht mehr so verspielt und wirkt in sich viel geschlossener, insgesamt homogener. Alias Eye liebäugeln zwar immer noch mit Versatzstücken mehrerer Prog-Rock-Subgenres, doch weil die Band in den Songs dennoch vergleichsweise schnell auf den Punkt kommt, gerät man dabei nie ins Chaos.

Dass die Bandbreite aber auch so toll miteinander harmoniert, hätte man von außen betrachtet erst mal gar nicht vermutet. Zum einen nämlich baut das Quintett an vielen Stellen einen enorm emotionalen Klangteppich auf, zum anderen dürfen es zwischendurch aber auch immer mal ein paar richtig dicke Alternative-Grooves sein, die eine deutliche Nähe zu den ersten beiden Creed-Alben aufweisen. Doch es passt, weil Alias Eye die Breaks heuer noch fließender gestaltet haben und die stilistischen Unterschiede somit auch keiner Logik entbehren.

Dass beide Seiten dabei restlos überzeugen, ist das i-Tüpfelchen auf diesem absolut genialen Album. So kauft man der Band in Songs wie „In Denial“ und „The Call“ ebenso den beinharten Rocker ab, wie man glaubt, die ergreifende Melancholie in Stücken wie „Books“ oder „How To Perceive…“ am ganzen Körper zu spüren. Gerade die letztgenannten Nummern gehen unter die Haut, vor allem wegen des bezaubernden Gesangs von Philipp Griffiths, dem in dieser Szene sowieso so schnell niemand das Wasser wird reichen können. Seine Leistung rundet schließlich auch ein Album ab, wie es besser (und eigenständiger) kaum sein könnte. Alias Eye lösen sich mit „In Focus“ endgültig von lästigen Vergleichen und Schubladen. Ihre Schublade heißt Alias Eye und liefert mit diesem Album das erste große Prog-Highlight des neuen Jahres.

 

My Revelations

Vor einiger Zeit hatte ich ein typisches "Aha-Erlebnis": Da gehe ich nichts ahnend zu einem SAGA-Konzert und lausche der Vorgruppe. Bei einem bestimmten Song denke ich mir: "Dat kennste doch!" Siehe da, ALIAS EYE hatten mich mit "The Great Open" vom Album "A Different Point Of You" erwischt.
Ich war überrascht von dem relativ hohen Maß an Power, mit dem sämtliche Songs gespielt wurden. ALIAS EYE waren mir von CD viel "sanfter" in Erinnerung.
Diese Power haben die fünf Deutschen offenbar versucht, auf ihrem aktuellen Output "In Focus" zu konservieren. Bestes Beispiel hierfür dürfte der Song "The Call" sein, mit den wahrscheinlich härtesten Gitarren, die die Band jemals hatte. Die "neue Härte" (dank neuem Gitarrist) kommt sicher gut an!
Ich persönlich finde, dass die Stärken der Truppe jedoch dann aufblitzen wenn sie ihre verspielten Momente mit spannenden musikalischen Elementen aus dem Sack lässt. Beispiel: "Enlighten Them". Mutig, gut so!
Ich bin gespannt in welche Richtung der Weg von ALIAS EYE zukünftig geht. Bleibt man den Prog-Pop/Rock Trademarks treu oder dehnt man die eher straighten Elemente, die auf "In Focus" vermehrt zu hören sind, aus?
Wie dem auch sei, wer statt 08/15-geradeaus-Mucke lieber durchdachte Songstrukturen mit Tiefgang (auch lyrisch) mag, wird sicher Gefallen an dieser Platte finden.
Zur Produktion von "In Focus": Insgesamt ausgewogen, wenngleich die Drums etwas mehr Fülle hätten vertragen können, nette Stereo-Effekte.
Ich würde jedem geneigten Hörer empfehlen, sich die Band mal live anzutun, denn die dezent verwobenen Einflüsse aus vielen Musikstilen kommen für meinen Geschmack live noch besser rüber als aus der Konserve.

Als Hörbeispiel möchte ich neben den genannten Stücken den Opener "I`m Your Lie" empfehlen.

 

Breakout

Mit ihrem dritten Longplayer „In Focus“ beschreiten die Mannheimer Art-Rocker Alias Eye teilweise neue Pfade. Das liegt nicht nur daran, daß man als neuen Klampfer Matze Wurm als Nachfolger für Matthias Richter begrüßen kann, sondern auch an einigen stilistischen Veränderungen. Ich gebe es ehrlich zu: „Field Of Names“ und „A Different Point Of You“ haben mich sofort in ihren Bann gezogen, bei „In Focus“ tat ich mich anfänglich doch etwas schwer. Das liegt sicherlich an den geänderten Sounds, wie zum Beispiel beim Opener „I’m Your Lie“, der mit seiner modernen Prägung anfänglich gewöhnungsbedürftig ist. Das soll jetzt nicht heißen, daß Alias Eye ihr bisheriges musikalisches Konzept komplett über Bord geworfen haben, aber die Veränderungen sind schon spürbar. Summa summarum klingt die Scheibe von den Arrangements her abgespeckt, hat zum Beispiel Matze Wurm eine andere Art seine Klampfe zu spielen. Nun denn, mit „In Focus“ habe ich schon ein paar Hördurchgänge gebraucht, bis wir beide uns anfreunden konnten. Jetzt jedoch ist das Eis gebrochen und der Longplayer besitzt bei Stücken wie „Rhodesian Rhapsody“ oder „To Be Or Not To Be“ einen Charme, der was für sich hat. Versehen mit etlichen Ecken und Kanten, dazu ein erdiger Sound, weg vom großen Tamtam hin zum Wesentlichen, keine überladenen Arrangements - „In Focus“ weiß zu überzeugen.
Marco Magin

 

Rocktimes

Jetzt bleibt mir glücklicherweise nichts anderes übrig, als den Reigen der Neuerscheinungen des Jahres 2007 für RockTimes zu eröffnen. Und das schon ein gutes Stück, bevor das Christkind den Weg zu uns gefunden hat und die Kracher und Raketen die Jahreswende dementsprechend dokumentiert haben. Macht nichts, denn das Label QuiXote bietet allen Interessierten die neue Scheibe von der Mannheimer Formation Alias Eye bereits vor dem offiziellen Release im kommenden Januar an.
Das bedeutet: Wer Alias Eye und "In Focus" vor der Jahreswende hören möchte, der bestellt das Teil ganz einfach direkt beim Label oder über die Website der Band.
Aber lohnt sich das auch? Mein letzter wirklich intensiver Kontakt mit der Band war Field Of Names aus dem Jahr 2001. Dazwischen gab es zwar noch "A Different Point Of You" in 2003, aber irgendwie ist das Scheibchen an mir vorbei gerauscht. Dabei hatte mich "Field Of Names" noch richtig überrascht, begeistert und auch im Endergebnis überzeugt. Und so ganz weit weg ist man ja auch nicht, wenn man sich dem Studioprojekt von Poor Genetic Material widmet, bei dem Alias-Eye-Sänger Phil Griffiths das Mikro zur Hand nimmt und die im noch aktuellen Jahr 2006 ihr Album Spring Tidings veröffentlichten.
Was hat sich in der Zwischenzeit noch getan? Ach ja, da gibt es einen neuen Gitarristen namens Matze Wurm. Und genau der bringt die eine oder andere härtere Passage in die Songs der Band. Das merkt man schon zu Beginn, als "I'm Your Lie" mit fetten Riffs und einer ungewöhnlich strammen Stimme von Griffiths dieses Album eröffnet. Da die Band auch in Prog-Kreisen stets hoch gehandelt wird, komme ich sehr schnell zu dem Schluss, dass Alias Eye auf "In Focus" so ziemlich alles unternehmen, um mit gutem und harten Rock auf sich aufmerksam zu machen. Da ist nichts verfrickelt und nichts verworren. Ganz im Gegenteil, die Kompositionen klingen erfreulich frisch geradeaus und machen so von Anfang an mächtig Spaß.
Das bedeutet aber nicht, dass man sich fortan nur in einfachen und ausschließlich mainstreamigen Gefilden befindet, denn die meisten Nummern machen auch Abstecher in einzelne Verästelungen der weitreichenden musikalischen Ausflugsmöglichkeiten der Rockmusik. Das soll heißen, dass eine Menge Möglichkeiten ausgelotet und auch verarbeitet werden. Dafür geben uns Alias Eye dann knapp 51 Minuten Zeit, um alles zu erforschen. Deswegen etwas genauer zu den einzelnen Tracks:
Während, wie bereits beschrieben, der Opener insbesondere in den Refrains kräftig drückt und abrockt, nehmen Alias Eye mit "In Denial" eine besondere Rhythmik auf. Das Piano wird in den Vordergrund gerückt und in den Zwischenparts setzt die verzerrte Gitarre genaue Akzente. Sehr interessant, wie sich die Melodieabläufe bewegen. "The Call" lässt erneut die Hard Rock-Herzen höher schlagen, während die Hammond-Sounds die Gitarrenarbeit unterstützen.
Bei "Enlighten Them" ist sogar etwas Pop angesagt. Das klingt wirklich erfrischend und dabei ist es vollkommen egal, ob es die Tasten, die die Melodie vorgeben, oder die wirklich abwechslungsreichen Percussions sind. Phil Griffiths hat bekanntermaßen eine tolle Stimme, die sich vor allen Dingen in den eingängigen Parts recht schnell im Gehörgang verewigt. Deswegen ist die Nähe zu so manchem Pop-König bei "Books" durchaus verzeihlich. Da wird also mächtig auf die Gefühlswelt gesetzt.
"History-Lesson" hinterlässt mit seinem markanten Riff sofort einen bleibenden Eindruck. Dabei bekommt die Band hier kaum die Kurve zwischen straightem Rock und leicht progressiven Einflüssen. Da muss der Hörer selbst entscheiden, was nun überwiegt. Eine gelungene Komposition, wie ich finde.
Irgendwie sind Alias Eye auch einzigartig. So beginnt "Hold On" im besten Stile einer waschechten Ballade und dann werden die Akkorde doch verzwickter gesetzt als man es voraus ahnen kann. Vor allen Dingen das Piano spult nicht alltägliche Läufe ab. Immer wieder wechselt die Band zwischen schmalzgetränkten und einfallsreichen Passagen.
Die Stücke bewegen sich fast alle im 4-Minuten-Bereich. Die Ausnahme bildet "How We Percieve...", mit über 11 Minuten ausgewiesen - aber Irrtum: Zwar hört man mit Anna Sabrina Lopp eine Gastsängerin mit toller Stimme, aber enden tut der Song nach 3:45 Minuten. Dafür finden wir nach 10:01 Minuten einen Hidden-Track, den die Welt absolut nicht braucht.
Insgesamt muss man sagen, dass Alias Eye mit ihrem dritten Album erneut eine saubere Scheibe gelungen ist. Hier gibt es harte Riffs, eingängige Melodien und abwechslungsreiche Kompositionen, die zu jeder Zeit aufhorchen lassen und den Hörer dazu animieren, einen erneuten Durchlauf zu starten.

 

Metal1

Huch, was ist denn das? Ungewohnt rockige Klänge eröffnen das mittlerweile dritte Studioalbum der Mannheimer MelodicProgger ALIAS EYE. Doch damit ist es noch lange nicht getan. In den beinahe vier Jahren seit dem Release des Vorgängers hat man mit Matthias Wurm auch einen neuen Gitarristen, der den bisherigen Klampfer Matthias Richter ersetzt. Auch ein neues Label hat man im Rücken. Die fünf Jungs sind nun bei Quixote Music aus Heidelberg.

Mit ihren beiden Werken „Field Of Names“ und „A Different Point Of You“ hat sich die Band durchaus schon einen sehr guten Namen unter den songdienlicheren Progbands Deutschlands gemacht. Pendelte der Erstling noch sehr stark zwischen Melodic Rock, Neoprog und Gute-Laune-Retroprog Marke „Spock’s Beard“, schwamm man sich mit dem 2003er Nachfolger deutlich frei und erschloss sich ein sehr breites musikalisches Spektrum. Neben leicht epischen Nummern gab es auch Songs, die sehr stark im Swing, Jazz und Blues verwurzelt waren. Ein interessanter Mix, der für mich jedoch als Album nicht so recht funktionierte – da ALIAS EYE jede Menge Stilmittel in die Songs gepresst haben, ohne das ein richtiger roter Faden erkennbar war. Einzig Philip Griffiths überragender, klassischer Gesang gibt der Band seit jeher ein sehr eigenständiges und edles „Gesicht“.

Mit „In Focus“ folgt also nun der dritte Anlauf. Und man könnte glatt meinen, die Band hätte sich in der Zeit seit dem letzten Album einer Frischzellenkur unterzogen! Die Songs sind durch die Bank sehr rockig und erdig arrangiert und produziert – Matthias Wurm hat mit seiner viel riffbetonteren Spielweise mit Sicherheit einen großen Anteil an diesem neuen Sound. Allerdings spielt er auch nicht ganz so gefühlvoll wie sein Vorgänger, was aber nicht wirklich negativ zu notieren ist. Oftmals bilden wirklich recht simple Riffs die Grundlage für den Song, epische Keyboardsynthies und ausgiebige Instrumentalpassagen finden wir hier nicht mehr. Keyboarder Vytas Lemke greift nur noch auf ursprünglich rein analoge Keyboardsounds zurück, sprich vor allem Piano und Hammond. Wo früher mal der ein oder andere Siebenminüter auf dem Programm stand, herrschen nun durchgehend Songs zwischen 3 bis 4 ½ Minuten vor. Könnte natürlich sein, dass jetzt gleich die Progpolizei kommt! Doch Entwarnung: ALIAS EYE haben auch in diesen kurzen Nummern noch genug Arrangementideen, um die Tracks alles andere als langweilig und eintönig klingen zu lassen. Zwar entfernt sich das Album im Gegensatz zu den Vorgängern noch weiter vom Prog und präsentiert vor allem rockige Tracks. Spielwitz, Vielseitigkeit und ein durch und durch edeler Sound sind aber nach wie vor Eigenschaften, die ALIAS EYE sich erhalten haben. Sänger Philip Griffith überzeugt wie eh und je und hat im deutschen Prog sicherlich eine der technisch besten Stimmen. Was den Ausdruck von Emotionen angeht, muss er sich meiner Ansicht nach nur Marco Glühmann von Sylvan geschlagen geben. Philip hat eigentlich nicht wirklich eine Rockstimme, dennoch passt sein Organ sehr gut zu dem neuen Material. Aber auch auf die Spezialität der Band, die Balladen nämlich, müssen wir hier nicht verzichten. Was früher episch und ausladend arrangiert wurde, passiert hier in betörend schlichter, eindringlicher, herzlicher Art und Weise in Songs wie „Books“, „Hold On“ oder dem Album-Closer „How We Perceive...“. Hier braucht es nun meist nicht mehr als ein einfaches Piano, Phils erzählende Stimme, eine imaginäre Kerze und etwa vier Minuten Zeit, die jeder in seinem schnelllebigen Tagesablauf dafür freimachen sollte. In diesen Momenten überzeugt mich die Band mehr denn je, denn sie erreicht es, dass der Hörer nachdenklich wird, mitfühlt, sich fallen lassen kann. Dazu kommen natürlich die für ALIAS EYE üblichen Soundgimmicks, wie das Akkordeon in „Enlighten Them“, Drumloops im Opener „I’m Your Lie“ oder die Sprachsamples und das "Ringedingdong"-Intro von Griffith bei „The Call“.

Der entscheidende Unterschied zum Vorgänger: Die verarbeiteten Ideen und Sounds passen viel besser zusammen, ergeben ein homogenes Ganzes. Im Umkehrschluss gilt aber auch: Die neue, härtere Ausrichtung geht ganz klar zugunsten der Abwechslung. Dennoch bleibe ich persönlich dabei: „In Focus“ zeigt die Band unerwartet modern und rockig und beweist vor allem, dass sie zu den wandlungsfähigsten Gruppen im Prog-(Rand)Bereich zählt, was heutzutage extrem viel Wert ist. Griffith & Co. haben nun wirklich drei völlig unterschiedliche Alben aufgenommen. „In Focus“ steht dabei für mich auf einer Stufe mit dem Debütalbum „A Field Of Names“ – allerdings wird erst die fortlaufende Zeit zeigen, inwiefern im neuen Material der gleiche Langzeit-Unterhaltungswert steckt. Außerdem ist es mit etwa 44 Minuten Spielzeit recht kurz geraten.

 

 



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