
Mannheimer
Morgen
13. April 2007
Bei
allen Jubelmeldungen über die Strahlkraft der Mannheimer
Rockszene werden sie leider oft übersehen: Alias Eye,
die Progressiv-Rocker aus der Quadratestadt, zählen
in ihrem Genre zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Einladungskonzerte,
die sie bis in die USA führten, Tourneen mit Gruppen
wie Saga und eine über ganz Europa verteilte Fangemeinde
- das sind Fakten, die für sich sprechen.
Nach längerer
Pause meldet sich die Band um den charismatischen Sänger
Phillip Griffiths mit einem beeindruckendem Album zurück.
"In Focus", ihre dritte CD, präsentiert die
Band mit einem neuen Mann an der Gitarre, der auch für
einen Stilwandel gesorgt hat: Matthias Wurm bringt harte
Rock-Riffs und brachiale Metal-Sounds ins Spiel, aber auch
flinkfingrig-furiose Griffbrett-Sprints.
Nun war Alias Eye
nie eine Band, die blutleere, verkopfte Kunstmusik gemacht
hat (sie verstand es immer schon, komplexe Kompositionsstrukturen
rockig zu erden), aber so komprimiert und songorientiert
hat das Quintett bislang noch nicht geklungen. Dass die
CD mit einem witzigen Blues als Bonustrack endet, ist symptomatisch.
Aber natürlich
sind Griffths, Vytas Lemke (Keyboards), Frank Fischer (Bass)
und Ludwig Benedek (Schlagzeug) ihrem Ruf insofern gerecht
geblieben, dass sie ihre Stücke, auch wenn sie überraschend
oft im Vierviertel-Takt rocken, mit verspielter Detailfreude
und einer verschwenderischen Ideenfülle anreichern.
Ständig wechseln da, quasi im Sekundentakt, Stimmungen
und Tempi, sorgen Breaks und Rhythmusvariationen für
spannungsvolle Dramatik.
Wuchtige Gitarren-Hiebe
und grazil dahintänzelnde Schlagzeugfiguren, donnernde
Daumen-Attacken des Bassisten und elegische Schwelgereien
am Klavier, bluesartige E-Piano-Soli und filigran verschnörkelte
Fusion-Improvisationen - all dies markiert Eckpunkte eines
kunterbunten Klang-Kosmos, in dessen Mittelpunkt der klassisch
geschulte Gesang von Phillip Griffiths steht, der seine
Vokallinien gelegentlich mit opernhaftem Pathos aufheizt.
Expressivität durch Kultiviertheit - das könnte
das Motto für die Musik dieser außergewöhnlichen
Band sein.
gespi
Crossover
Mit über drei
Jahren haben alias eye eine (zu) lange Pause eingelegt,
doch jetzt haben wir sie wieder: Die Mannheimer Band legte
um den Jahreswechsel ihre 3. CD vor. Warum es so lange dauerte,
wurde beim Konzert nicht nur mit Kinderkriegen und Häuslebauen
begründet, sondern auch damit, dass Drummer Ludwig
Benedek jeden musikalischen Vorschlag der anderen gleich
abbügelte mit "Gibt's schon, hatten wa schon bei
anderes Bands"! Schließlich ist es der Band doch
gelungen, elf wiederum hervorragende anspruchsvolle Kompositionen
abzuliefern, die einmal mehr ihren Status als Ausnahmeband
belegen. Hier gibt's kein Mittelmaß, alles ist durchdacht,
ausgeklügelt und natürlich erneut mit dem Wohlfühl-Flair
ausgestattet, das auch die letzte Platte "A Different
Point Of You" auszeichnete. Die Band, die jetzt einen
neuen Gitarristen in ihren Reihen hat (Matthias Wurm ersetzt
Matthias Richter) ist diesmal, wenn man es denn zusammenfassend
so sagen darf, vielleicht etwas basischer, um nicht zu sagen
rockiger, vorgegangen, was man ggf. schon daran sieht, dass
es diesmal gar keine Songs über 5 Minuten gibt, was
vor 3 Jahren eher die Regel war. "I'm Your Lie"
fängt richtig kernig an, um dann zwischenzeitlich völlig
sanfte Passagen zu bieten, dieses Wechselspiel ist sehr
beeindruckend, die angenehme Stimme von Philip Griffiths
beherrscht beides souverän. In dem Stück wirkt
übrigens der alte Gitarrist noch nach, da er das Stück
mitkomponiert hat. Der "neue" Matthias, der bei
mir (man muss es wohl so sagen) einen schweren Stand hat,
da für mich der "alte" Matthias der beste
und vor allem verkannteste Gitarrist im Rhein-Neckar-Raum
ist, trumpft gleich im zweiten Stück richtig fett auf
an der Klampfe und überzeugt gleich mal einen Skeptiker
wie mich. Ein Stück mit "Ringe-Ding-Dong"-Gesängen
zu beginnen, ist schon äußerst außergewöhnlich,
aber DAS VERGISST MAN NICHT! So etwas bleibt haften, so
dass beim Konzert, in dem die Platte erstmals live vorgestellt
wurde, gar ein "Ringe-Ding-Dong"-Zwischenruf erschallte.
Der Song dazu, "The Call" ist ein heavy Kracher,
an dem die Band mal richtig mit Metal-Riffs zulegt, aber
natürlich wieder mit interessantem unerwartetem spartanisch
instrumentiertem Zwischenteil und einem kleinen Flamenco-Flageolett-Ende,
super! "Enlighten Them" mit dem etatmäßigen
Keyboarder Vytas Lemke hier am Akkordeon bietet wieder diese
andere Klangfarbe, die ALIAS EYE auszeichnet, dieses genreübergreifende
Element, das sie völlig von anderen Bands abhebt. Auch
das sehr bedächtige "Books" ist eine (diesmal
alleinige) Lemke-Komposition, nur mit Piano und Gesang,
und erzählt davon, dass all die Bücher, die er
gelesen hat, ihn letztendlich "deaf and blind"
machen und dieses Kleinod ist einfach hervorragend. ("The
more I read, the less I know" - man bedenke, der Mann
ist Lehrer!) Die ganze Band kehrt zurück zu dem mit
einem leicht abgehackt klingenden Riffing versehenen "History
Lesson", auch wieder ein gutes Stück, aber die
Band kann eh keine schlechten schreiben! (Bzw. die wurden
vorher aussortiert - s.o.!) Ebenso wie "Rhodesian Rhapsody",
in dem Philip das Digderidoo erklingen lässt, und zwar
eben nicht solo mit minutenlangem Gewaber, wie das sonst
mit diesem Instrument geschieht, sondern im Song eingebaut
und als Outro. "Hold On" ist ein weiteres Stück,
das so wunderschön ist, dass man schon ein grober Klotz
sein muss, um hier nicht zu attestieren, dass das ganz große
Kunst ist, was die Band vorlegt. Wenn die Jungs nicht so
verwurzelt in Mannheim wären mit ihren Berufen und
Musik nach wie vor aus Freude und als zeitintensives Hobby
machen würden und nicht auf Biegen und Brechen auf
Erfolg angewiesen sind, wundert es mich schon lange, dass
solch ein Ausnahme-Sänger wie Philip nicht längst
von einer namhaften Kombo "abgeworben" wurde.
Bei "To Be Or Not To Be... Revisited" sei einmal
die kompositorische Klasse auch bei den Texten gelobt, es
hilft schon, wenn man einen Native-Speaker in der Band hat.
Die letzten beiden Stücke bieten neben einer kleinen
Jam-Session-Einlage zwischen Gitarre und Keyboard und einem
Gast-Auftritt von Sängerin Anna-Sabrina (zugegeben,
ich war schon etwas abgelenkt, nicht nur von der Stimme
- als sie die Bühne betrat, waren die 5 Herren für
ein paar Augenblicke Nebensache ...!) noch einen weiteren
versteckten lustigen Bonus-Song. Auf den stößt
man erst, wenn man den letzten Song 6 Minuten weiterlaufen
lässt, was auch mein einziger Kritikpunkt an der CD
ist. Anfänglich stufte ich die CD nicht so hoch wie
den Vorgänger ein, nach mindestens 10 Durchläufen
ist auch "In Focus" ein kleines Meisterwerk geworden,
anders aber nicht minder begeisternd. Gitarrist Matthias
Wurm, der im übrigen maßgeblich an den Aufnahmen
beteiligt war (kein Wunder, fanden die Aufnahmen doch in
seinem Studio statt) fügt sich hervorragend in die
Band ein und hat auch mich überzeugt: Danke, Jungs!
- Ja, ich bin stolz, dass die weiterhin beste Band in und
um Mannheim nach wie vor ALIAS EYE ist!
Walls
of Fire
Nach dem überzeugenden
Vorgänger “A Different Point Of View” hatten Alias Eye
beim Komponieren des neuen Albums gar nicht mal so leicht,
schließlich galt e seines der absolute Prog-Highlights
des Jahrgangs 2003 zu übertreffen. Dementsprechend lange
hat die band auch gebraucht, um ihr insgesamt schon drittes
Album einzuspielen, welches nun kurz nach dem Jahreswechsel
endlich auf den Markt kommen wird.
Die Wartezeit hat sich
indes vollkommen gelohnt, denn wie „In Focus“ einem gleich
elfmal sehr deutlich beweist, hat die Band während dieser
Zeit eine echt respektable Entwicklung durchgemacht. Die neue
Scheibe klingt zunächst einmal nicht mehr so verspielt
und wirkt in sich viel geschlossener, insgesamt homogener.
Alias Eye liebäugeln zwar immer noch mit Versatzstücken
mehrerer Prog-Rock-Subgenres, doch weil die Band in den Songs
dennoch vergleichsweise schnell auf den Punkt kommt, gerät
man dabei nie ins Chaos.
Dass die Bandbreite
aber auch so toll miteinander harmoniert, hätte man von
außen betrachtet erst mal gar nicht vermutet. Zum einen
nämlich baut das Quintett an vielen Stellen einen enorm
emotionalen Klangteppich auf, zum anderen dürfen es zwischendurch
aber auch immer mal ein paar richtig dicke Alternative-Grooves
sein, die eine deutliche Nähe zu den ersten beiden Creed-Alben
aufweisen. Doch es passt, weil Alias Eye die Breaks heuer
noch fließender gestaltet haben und die stilistischen
Unterschiede somit auch keiner Logik entbehren.
Dass beide Seiten dabei
restlos überzeugen, ist das i-Tüpfelchen auf diesem
absolut genialen Album. So kauft man der Band in Songs wie
„In Denial“ und „The Call“ ebenso den beinharten Rocker ab,
wie man glaubt, die ergreifende Melancholie in Stücken
wie „Books“ oder „How To Perceive…“ am ganzen Körper
zu spüren. Gerade die letztgenannten Nummern gehen unter
die Haut, vor allem wegen des bezaubernden Gesangs von Philipp
Griffiths, dem in dieser Szene sowieso so schnell niemand
das Wasser wird reichen können. Seine Leistung rundet
schließlich auch ein Album ab, wie es besser (und eigenständiger)
kaum sein könnte. Alias Eye lösen sich mit „In Focus“
endgültig von lästigen Vergleichen und Schubladen.
Ihre Schublade heißt Alias Eye und liefert mit diesem
Album das erste große Prog-Highlight des neuen Jahres.
My
Revelations
Vor einiger Zeit hatte
ich ein typisches "Aha-Erlebnis": Da gehe ich nichts
ahnend zu einem SAGA-Konzert und lausche der Vorgruppe. Bei
einem bestimmten Song denke ich mir: "Dat kennste doch!"
Siehe da, ALIAS EYE hatten mich mit "The Great Open"
vom Album "A Different Point Of You" erwischt.
Ich war überrascht von dem relativ hohen Maß an
Power, mit dem sämtliche Songs gespielt wurden. ALIAS
EYE waren mir von CD viel "sanfter" in Erinnerung.
Diese Power haben die fünf Deutschen offenbar versucht,
auf ihrem aktuellen Output "In Focus" zu konservieren.
Bestes Beispiel hierfür dürfte der Song "The
Call" sein, mit den wahrscheinlich härtesten Gitarren,
die die Band jemals hatte. Die "neue Härte"
(dank neuem Gitarrist) kommt sicher gut an!
Ich persönlich finde, dass die Stärken der Truppe
jedoch dann aufblitzen wenn sie ihre verspielten Momente mit
spannenden musikalischen Elementen aus dem Sack lässt.
Beispiel: "Enlighten Them". Mutig, gut so!
Ich bin gespannt in welche Richtung der Weg von ALIAS EYE
zukünftig geht. Bleibt man den Prog-Pop/Rock Trademarks
treu oder dehnt man die eher straighten Elemente, die auf
"In Focus" vermehrt zu hören sind, aus?
Wie dem auch sei, wer statt 08/15-geradeaus-Mucke lieber durchdachte
Songstrukturen mit Tiefgang (auch lyrisch) mag, wird sicher
Gefallen an dieser Platte finden.
Zur Produktion von "In Focus": Insgesamt ausgewogen,
wenngleich die Drums etwas mehr Fülle hätten vertragen
können, nette Stereo-Effekte.
Ich würde jedem geneigten Hörer empfehlen, sich
die Band mal live anzutun, denn die dezent verwobenen Einflüsse
aus vielen Musikstilen kommen für meinen Geschmack live
noch besser rüber als aus der Konserve.
Als Hörbeispiel
möchte ich neben den genannten Stücken den Opener
"I`m Your Lie" empfehlen.
Breakout
Mit ihrem dritten Longplayer
„In Focus“ beschreiten die Mannheimer Art-Rocker Alias Eye
teilweise neue Pfade. Das liegt nicht nur daran, daß
man als neuen Klampfer Matze Wurm als Nachfolger für
Matthias Richter begrüßen kann, sondern auch an
einigen stilistischen Veränderungen. Ich gebe es ehrlich
zu: „Field Of Names“ und „A Different Point Of You“ haben
mich sofort in ihren Bann gezogen, bei „In Focus“ tat ich
mich anfänglich doch etwas schwer. Das liegt sicherlich
an den geänderten Sounds, wie zum Beispiel beim Opener
„I’m Your Lie“, der mit seiner modernen Prägung anfänglich
gewöhnungsbedürftig ist. Das soll jetzt nicht heißen,
daß Alias Eye ihr bisheriges musikalisches Konzept komplett
über Bord geworfen haben, aber die Veränderungen
sind schon spürbar. Summa summarum klingt die Scheibe
von den Arrangements her abgespeckt, hat zum Beispiel Matze
Wurm eine andere Art seine Klampfe zu spielen. Nun denn, mit
„In Focus“ habe ich schon ein paar Hördurchgänge
gebraucht, bis wir beide uns anfreunden konnten. Jetzt jedoch
ist das Eis gebrochen und der Longplayer besitzt bei Stücken
wie „Rhodesian Rhapsody“ oder „To Be Or Not To Be“ einen Charme,
der was für sich hat. Versehen mit etlichen Ecken und
Kanten, dazu ein erdiger Sound, weg vom großen Tamtam
hin zum Wesentlichen, keine überladenen Arrangements
- „In Focus“ weiß zu überzeugen.
Marco Magin
Rocktimes
Jetzt bleibt mir glücklicherweise
nichts anderes übrig, als den Reigen der Neuerscheinungen
des Jahres 2007 für RockTimes zu eröffnen. Und das
schon ein gutes Stück, bevor das Christkind den Weg zu
uns gefunden hat und die Kracher und Raketen die Jahreswende
dementsprechend dokumentiert haben. Macht nichts, denn das
Label QuiXote bietet allen Interessierten die neue Scheibe
von der Mannheimer Formation Alias Eye bereits vor dem offiziellen
Release im kommenden Januar an.
Das bedeutet: Wer Alias Eye und "In Focus" vor der
Jahreswende hören möchte, der bestellt das Teil
ganz einfach direkt beim Label oder über die Website
der Band.
Aber lohnt sich das auch? Mein letzter wirklich intensiver
Kontakt mit der Band war Field Of Names aus dem Jahr 2001.
Dazwischen gab es zwar noch "A Different Point Of You"
in 2003, aber irgendwie ist das Scheibchen an mir vorbei gerauscht.
Dabei hatte mich "Field Of Names" noch richtig überrascht,
begeistert und auch im Endergebnis überzeugt. Und so
ganz weit weg ist man ja auch nicht, wenn man sich dem Studioprojekt
von Poor Genetic Material widmet, bei dem Alias-Eye-Sänger
Phil Griffiths das Mikro zur Hand nimmt und die im noch aktuellen
Jahr 2006 ihr Album Spring Tidings veröffentlichten.
Was hat sich in der Zwischenzeit noch getan? Ach ja, da gibt
es einen neuen Gitarristen namens Matze Wurm. Und genau der
bringt die eine oder andere härtere Passage in die Songs
der Band. Das merkt man schon zu Beginn, als "I'm Your
Lie" mit fetten Riffs und einer ungewöhnlich strammen
Stimme von Griffiths dieses Album eröffnet. Da die Band
auch in Prog-Kreisen stets hoch gehandelt wird, komme ich
sehr schnell zu dem Schluss, dass Alias Eye auf "In Focus"
so ziemlich alles unternehmen, um mit gutem und harten Rock
auf sich aufmerksam zu machen. Da ist nichts verfrickelt und
nichts verworren. Ganz im Gegenteil, die Kompositionen klingen
erfreulich frisch geradeaus und machen so von Anfang an mächtig
Spaß.
Das bedeutet aber nicht, dass man sich fortan nur in einfachen
und ausschließlich mainstreamigen Gefilden befindet,
denn die meisten Nummern machen auch Abstecher in einzelne
Verästelungen der weitreichenden musikalischen Ausflugsmöglichkeiten
der Rockmusik. Das soll heißen, dass eine Menge Möglichkeiten
ausgelotet und auch verarbeitet werden. Dafür geben uns
Alias Eye dann knapp 51 Minuten Zeit, um alles zu erforschen.
Deswegen etwas genauer zu den einzelnen Tracks:
Während, wie bereits beschrieben, der Opener insbesondere
in den Refrains kräftig drückt und abrockt, nehmen
Alias Eye mit "In Denial" eine besondere Rhythmik
auf. Das Piano wird in den Vordergrund gerückt und in
den Zwischenparts setzt die verzerrte Gitarre genaue Akzente.
Sehr interessant, wie sich die Melodieabläufe bewegen.
"The Call" lässt erneut die Hard Rock-Herzen
höher schlagen, während die Hammond-Sounds die Gitarrenarbeit
unterstützen.
Bei "Enlighten Them" ist sogar etwas Pop angesagt.
Das klingt wirklich erfrischend und dabei ist es vollkommen
egal, ob es die Tasten, die die Melodie vorgeben, oder die
wirklich abwechslungsreichen Percussions sind. Phil Griffiths
hat bekanntermaßen eine tolle Stimme, die sich vor allen
Dingen in den eingängigen Parts recht schnell im Gehörgang
verewigt. Deswegen ist die Nähe zu so manchem Pop-König
bei "Books" durchaus verzeihlich. Da wird also mächtig
auf die Gefühlswelt gesetzt.
"History-Lesson" hinterlässt mit seinem markanten
Riff sofort einen bleibenden Eindruck. Dabei bekommt die Band
hier kaum die Kurve zwischen straightem Rock und leicht progressiven
Einflüssen. Da muss der Hörer selbst entscheiden,
was nun überwiegt. Eine gelungene Komposition, wie ich
finde.
Irgendwie sind Alias Eye auch einzigartig. So beginnt "Hold
On" im besten Stile einer waschechten Ballade und dann
werden die Akkorde doch verzwickter gesetzt als man es voraus
ahnen kann. Vor allen Dingen das Piano spult nicht alltägliche
Läufe ab. Immer wieder wechselt die Band zwischen schmalzgetränkten
und einfallsreichen Passagen.
Die Stücke bewegen sich fast alle im 4-Minuten-Bereich.
Die Ausnahme bildet "How We Percieve...", mit über
11 Minuten ausgewiesen - aber Irrtum: Zwar hört man mit
Anna Sabrina Lopp eine Gastsängerin mit toller Stimme,
aber enden tut der Song nach 3:45 Minuten. Dafür finden
wir nach 10:01 Minuten einen Hidden-Track, den die Welt absolut
nicht braucht.
Insgesamt muss man sagen, dass Alias Eye mit ihrem dritten
Album erneut eine saubere Scheibe gelungen ist. Hier gibt
es harte Riffs, eingängige Melodien und abwechslungsreiche
Kompositionen, die zu jeder Zeit aufhorchen lassen und den
Hörer dazu animieren, einen erneuten Durchlauf zu starten.
Metal1
Huch, was ist denn
das? Ungewohnt rockige Klänge eröffnen das mittlerweile
dritte Studioalbum der Mannheimer MelodicProgger ALIAS EYE.
Doch damit ist es noch lange nicht getan. In den beinahe vier
Jahren seit dem Release des Vorgängers hat man mit Matthias
Wurm auch einen neuen Gitarristen, der den bisherigen Klampfer
Matthias Richter ersetzt. Auch ein neues Label hat man im
Rücken. Die fünf Jungs sind nun bei Quixote Music
aus Heidelberg.
Mit ihren beiden Werken
„Field Of Names“ und „A Different Point Of You“ hat sich die
Band durchaus schon einen sehr guten Namen unter den songdienlicheren
Progbands Deutschlands gemacht. Pendelte der Erstling noch
sehr stark zwischen Melodic Rock, Neoprog und Gute-Laune-Retroprog
Marke „Spock’s Beard“, schwamm man sich mit dem 2003er Nachfolger
deutlich frei und erschloss sich ein sehr breites musikalisches
Spektrum. Neben leicht epischen Nummern gab es auch Songs,
die sehr stark im Swing, Jazz und Blues verwurzelt waren.
Ein interessanter Mix, der für mich jedoch als Album
nicht so recht funktionierte – da ALIAS EYE jede Menge Stilmittel
in die Songs gepresst haben, ohne das ein richtiger roter
Faden erkennbar war. Einzig Philip Griffiths überragender,
klassischer Gesang gibt der Band seit jeher ein sehr eigenständiges
und edles „Gesicht“.
Mit „In Focus“ folgt
also nun der dritte Anlauf. Und man könnte glatt meinen,
die Band hätte sich in der Zeit seit dem letzten Album
einer Frischzellenkur unterzogen! Die Songs sind durch die
Bank sehr rockig und erdig arrangiert und produziert – Matthias
Wurm hat mit seiner viel riffbetonteren Spielweise mit Sicherheit
einen großen Anteil an diesem neuen Sound. Allerdings
spielt er auch nicht ganz so gefühlvoll wie sein Vorgänger,
was aber nicht wirklich negativ zu notieren ist. Oftmals bilden
wirklich recht simple Riffs die Grundlage für den Song,
epische Keyboardsynthies und ausgiebige Instrumentalpassagen
finden wir hier nicht mehr. Keyboarder Vytas Lemke greift
nur noch auf ursprünglich rein analoge Keyboardsounds
zurück, sprich vor allem Piano und Hammond. Wo früher
mal der ein oder andere Siebenminüter auf dem Programm
stand, herrschen nun durchgehend Songs zwischen 3 bis 4 ½
Minuten vor. Könnte natürlich sein, dass jetzt gleich
die Progpolizei kommt! Doch Entwarnung: ALIAS EYE haben auch
in diesen kurzen Nummern noch genug Arrangementideen, um die
Tracks alles andere als langweilig und eintönig klingen
zu lassen. Zwar entfernt sich das Album im Gegensatz zu den
Vorgängern noch weiter vom Prog und präsentiert
vor allem rockige Tracks. Spielwitz, Vielseitigkeit und ein
durch und durch edeler Sound sind aber nach wie vor Eigenschaften,
die ALIAS EYE sich erhalten haben. Sänger Philip Griffith
überzeugt wie eh und je und hat im deutschen Prog sicherlich
eine der technisch besten Stimmen. Was den Ausdruck von Emotionen
angeht, muss er sich meiner Ansicht nach nur Marco Glühmann
von Sylvan geschlagen geben. Philip hat eigentlich nicht wirklich
eine Rockstimme, dennoch passt sein Organ sehr gut zu dem
neuen Material. Aber auch auf die Spezialität der Band,
die Balladen nämlich, müssen wir hier nicht verzichten.
Was früher episch und ausladend arrangiert wurde, passiert
hier in betörend schlichter, eindringlicher, herzlicher
Art und Weise in Songs wie „Books“, „Hold On“ oder dem Album-Closer
„How We Perceive...“. Hier braucht es nun meist nicht mehr
als ein einfaches Piano, Phils erzählende Stimme, eine
imaginäre Kerze und etwa vier Minuten Zeit, die jeder
in seinem schnelllebigen Tagesablauf dafür freimachen
sollte. In diesen Momenten überzeugt mich die Band mehr
denn je, denn sie erreicht es, dass der Hörer nachdenklich
wird, mitfühlt, sich fallen lassen kann. Dazu kommen
natürlich die für ALIAS EYE üblichen Soundgimmicks,
wie das Akkordeon in „Enlighten Them“, Drumloops im Opener
„I’m Your Lie“ oder die Sprachsamples und das "Ringedingdong"-Intro
von Griffith bei „The Call“.
Der entscheidende Unterschied
zum Vorgänger: Die verarbeiteten Ideen und Sounds passen
viel besser zusammen, ergeben ein homogenes Ganzes. Im Umkehrschluss
gilt aber auch: Die neue, härtere Ausrichtung geht ganz
klar zugunsten der Abwechslung. Dennoch bleibe ich persönlich
dabei: „In Focus“ zeigt die Band unerwartet modern und rockig
und beweist vor allem, dass sie zu den wandlungsfähigsten
Gruppen im Prog-(Rand)Bereich zählt, was heutzutage extrem
viel Wert ist. Griffith & Co. haben nun wirklich drei
völlig unterschiedliche Alben aufgenommen. „In Focus“
steht dabei für mich auf einer Stufe mit dem Debütalbum
„A Field Of Names“ – allerdings wird erst die fortlaufende
Zeit zeigen, inwiefern im neuen Material der gleiche Langzeit-Unterhaltungswert
steckt. Außerdem ist es mit etwa 44 Minuten Spielzeit
recht kurz geraten.
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